Schiff mit Windrotor ausgestattet - Zusätzliches Antriebssystem soll Treibstoffverbrauch auf den Meeren reduzieren

Leer, 23. April 2021 | Der Mehrzweckfrachter MS „Annika Braren“, neuster Zugang in der Flotte von Rörd Braren Bereederung, wurde von Eco Flettner in Leer nachträglich mit einem Wind Assistenz Rotorsegelsystems ausgestattet.

Die Planungen der schiffbaulichen Umbaumaßnahmen und der Bau des neuen Rotors für das 86 m lange und 15 m breite Schiff mit einer Tragfähigkeit von 5.035 tdw nahm zwölf Monate in Anspruch. Mit Sondertransporten wurden die großen Bauteile von den verschiedenen Produzenten nach Leer geliefert. Direkt an der Wasserkante fand die Montage statt. Der fertige Rotorzylinder misst 18 m in der Höhe und 3 m im Durchmesser. Oben und unten am Zylinder sind große Endscheiben mit 6 m Durchmesser verbaut. Die mit zwei großen Endscheiben ausgestattete „Segelmaschine“, wiegt ca. 27 t. Für den Einbau in das Schiff und die Inbetriebnahme des Rotors sind 12 Arbeitstage geplant.

„Wir freuen uns sehr, dass der Rotor jetzt installiert wird und für den Bordeinsatz bereit ist, zumal die Montage des Rotors trotz Corona erfolgreich verlief. Wir werden natürlich die Leistung des Rotors sorgfältig überwachen und freuen uns auf viele weitere Installationen unserer Rotoren in der Zukunft “, erklärt Ralf Oltmanns, Geschäftsführer von Eco Flettner GmbH.

Nach letzten Montagekontrollen, Reinigung, Sicherheits-, Funktions-, und Dichtheitsprüfungen machte sich die unter deutscher Flagge fahrenden MS „Annika Braren“ auf ihre erste windunterstützte Reise in Ballast zum nächsten Ladehafen. Kapitän Julian Plaisant ist bestrebt, das neue zusätzliche Antriebssystem auf Herz und Nieren zu prüfen. „Ich und die Crew sind sehr gespannt zu sehen, wie sich das Schiff mit dem installierten Rotor verhält. Auf der Werft konnten wir uns überzeugen, dass das System ein wirklich solides Antriebssystem zu sein scheint und einfach zu bedienen ist. Aber auf See im rauen Bordalltag wird das Gesamtsystem unter realen Bedingungen auf die Probe gestellt.“

Der EF18 Rotor wird mit einem Typ Approval Design Certificat (TADC) von der Klassifikationsgesellschaft DNV ausgeliefert und soll auf der MS „Annika Braren“ den Treibstoffverbrauch reduzieren und somit CO2 und andere Emissionen senken. Die in Kollmar a. d. Elbe ansässige Reederei ist bekannt für ihr Engagement für eine nachhaltige Schifffahrt und nimmt an einem Interreg-North-Sea-Europe „WASP“-Projekt teil.

Dieses europäische regionale Förderprogramm (EFRE) bringt Schiffseignern, Universitäten und Anbieter von Windantriebssystemen zusammen, um das Potenzial der verschiedenen Windantriebslösungen zu testen sowie die Daten zu erfassen und auszuwerten.

Über einen Zeitraum von zwölf Monaten werden an Bord Leistungsdaten des Windantriebes, Wetter- und Windbedingungen, Schiffsgeschwindigkeit und Treibstoffverbräuche aufgezeichnet und an eine Universität zur Validierung übertragen, um belastbare Aussagen über den Nutzen des Rotor-Segelsystems in der Nordseeregion zu erhalten. Das Interreg-North-Sea-Region „WASP“-Programm besteht aus fünf Teilprojekten mit verschiedenen Segelsystemen.

Die Geschäftsführerin von Rörd Braren Bereederung, Anna Braren, fügt hinzu: „Dies ist ein wichtiges Projekt für unser Unternehmen und wir sind überzeugt, dass es unserer Flotte erhebliche Vorteile bringen wird. Der Einsatz dieser Technologie wird dazu beitragen Emissionen auf den Meeren zu reduzieren und Erfahrungen zu sammeln, die wiederum anderen Reedern zugänglich gemacht werden. Dieser Nachhaltigkeitsansatz liegt in der DNA unseres Unternehmens und wir sind sehr stolz darauf, dass das Schiff seine Jungfernfahrt mit Windunterstützung beginnt.“

 

Über Rörd Braren Bereederungs- GmbH & Co. KG

Die Rörd Braren Bereederung wurde 1990 gegründet. Die Reederei ist für den Einsatz von innovativen Umwelttechnologien und Nachhaltigkeit auf ihren Schiffen bekannt. Die Flotte besteht aus elf Mehrzweckfrachtern.

Über das WASP-Projekt

Das WASP-Projekt (Wind Assisted Ship Propulsion) wird vom Interreg North Sea Europe-Programm in Höhe von 5,4 Mio. EUR finanziert und ist Teil des europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE). Das Projekt bringt Schiffseigner, Universitäten und Anbieter von Wind-Assistenz-Antriebssystemen zusammen, um gemeinsam das Leistungsvermögen verschiedener Systeme zu erforschen, zu testen und zu validieren.

Bildquelle: Stadtwerke Leer